WebAccess – Aktionsvorschlag ans Ministerium fuer Familie, Senioren, Frauen und Jugend

zu Rechner- und Internetzugang fuer Kinder:

Manche Familien haben wenig Wissen ueber Inhalte und Auswirkungen des Internets.
Die meisten Eltern wissen genuegend, um Bedenken oder Wuensche zu haben, haben einfach keine Loesung zur Hand fuer einen geordneten, dem Alter anzupassenden kindlichen Rechner- und Internetzugang.
Niemand aber will Kindern den Zugang zu wichtigen Zukunftsmedien abschneiden – Rechner, Drucker, Skype und solches werden auch fuer die Schule genutzt.
In ihrer Total-oder-Gar-kein-Zugriff-Situation erlangen Kinder zu viel und zu wenig reglementierten Zugriff auf Rechner und Internet.

Auf diese Weise werden in den kommenden Jahren immer mehr unkonzentrierte, ueberforderte, veraengstigte, abgelenkte, sexualisierte, in Bereichen viel zu frueh gereifte Kinder in der Schule versagen. Immer mehr werden den Zugang zur realen Welt nicht rechtzeitig ueben, durch ueberwaeltigend attraktive Angebote zu kaputten Stubenhockern werden oder einfach vieles Reale, was zu einer vernuenftigen Kindheit gehoert (Matsch, andere Kinder etc.), verpassen. In vielen wichtigen Bereichen werden diese Kinder eine wirkliche, angemessene Reife verpassen.
Es ist eine wichtige Aufgabe der Staates, hier fuer ein unterstuetzendes Angebot frei von kommerziellen Interessen zu sorgen. Jetzt, wo freiwillige Selbstkontrolle in Filmen, Buechern, Spielen ein totes Ding von gestern ist und fast gar nicht mehr in der Lebenswirklichkeit von Kindern vorkommt.

Vorschlag ans Ministerium fuer Familie, Senioren, Frauen und Jugend:

  1. Bitte baut eine einfach zu installierende Kinder-Ans-Internet-Distribution!
    (Nur sehr wenige Installationsfragen: Namen der Accounts mit Alter oder unbeschraenktem Zugang, Vorschlag fuer Netzeinstellungen (detektiert fuer WLAN / Festnetz), Drucker, Admin-Passwort…).
    Ausserdem dazu einen einfachen Steuerclient (1. im Elternaccount bzw. auf dem Elternrechner, 2. als App und 3. fuer Windows) zum Freigeben von Webseiten und verwalten der Zeit-Erlaubnisse).
  2. Stellt sie als DVD-ISO ins Netz!
  3. Macht das oeffentlich!
  4. Erstellt und pflegt die Distribution im Rahmen einer Handvoll Bachelor- und Masterarbeiten, betreut sie dauerhaft in Teilzeit durch einen IT-Hauptamtlichen mit ein paar Dauer-HiWis.
    Universitaeten, Berufsakademien und Berufsschulen gibts genuegend – sehr viele Studenten wuerden sich ueber so eine klar definierte, machbare, sinnvolle Arbeit freuen.
  5. Und bald moeglich und noch wichtiger: das ganze auch als Smarthphone-Distribution fuer Kinder (am liebsten FirefoxOS, wegen der Offenheit und weniger, klarer Schnittstellen! Oder Linux wegen der Aehnlichkeit zur Original-Distro?), gesteuert durch denselben Eltern-Client.
  6. Option: wenn es zu grosse politische und/oder rechtliche Probleme gibt (Microsoft-Lobbying, jemand?), dann gebt diese Aufgabe wohlwollend und mit Link und Guetesiegel vom z.B. BMFSFJ an eine Stiftung weiter, die das dann genau so (billig und effizient) mit studentischen Kraeften, dann am besten als pures OpenSource-Projekt betreibt (am gemeinnuetzigsten gleich mit der aktuellen GPL).

Das wuerde den Standort staerken (sinnvolles Projekt, Thema Rechnersicherheit, (Anti-)Viren, usability, Paedagogik…!), ein Netzwerk schaffen, und vor allem eine langfristig ganz wichtige Wirkung fuer die Familien entfalten koennen.
Es ist Arbeit – aber besonders schwierig ist das nicht. Ein ganz einfacher, gangbarer (und funktionierender 🙂 ) Weg etwa ist: opensuse, timekpr, iptables, privoxy.

Und redet euch nicht mit Wettbewerbsgesetzen heraus – es gibt auch andere, die kostenlose oder stark verguenstigte Betriebssysteme an Schueler oder Studenten geben.

Unsere eigene Familien-Loesung, um den Kindern eine gute Balance zwischen Beschuetzen und Freilassen beim Rechnerzugang zu bieten, finde ich sehr effektiv, praktisch und angenehm fuer uns und die Kinder:

Das Medium Rechner ist immer noch sehr attraktiv fuer die Kinder, trotz gravierender Einschraenkungen. Gleichzeitig sind unsere ‚mechanischen‘ Einschraenkungen sehr entspannend fuer die Familie, weil nicht jedes Einschalten und Ausschalten Anlass zu Hoffnung, Bettelei oder Streit ist.
Diese Loesung waere bestimmt auch fuer andere Familien nuetzlich.

Unsere Familien-Rechner-Internet-Loesung aus opensuse, timekpr, iptables, privoxy regelt den Zugriff auf den eigenen Account, auf unser LAN (Drucker!) bzw. ueber den Zugriffsfilter ins Internet sicher und nachvollziehbar. Dieses Setup bietet derzeit folgendes:

  • Jedes der Kinder hat einen eigenen Rechner (Tischrechner an einem festen Platz). Sie sagen bescheid, bevor sie an Ihre Rechner gehen, sie sind da aber frei, nachdem die Hausaufgabe und andere absolut primaeren Dinge geklaert sind.
  • an jedem Rechner ist fest eingestellt und sichergestellt, dass sie nur zwischen 7:00 und 20:00 (bzw. 7:00 und 21:00) maximal 45 Minuten (bzw. 60 Minuten) eingeloggt sein koennen.
  • Sie teilen sich diese taegliche Zeit frei ein, fuehren aber eine jeweils offene Liste ueber das, was sie Schulisches daran erreicht haben (Anzahl gelernte Phase6-Vokabeln z.B.; diese Listenfuehrung ist noch neu und muss sich noch bewaehren…). Es ist klar, dass etwa die erste Haelfte der Zeit fuer „sinnvolle“ Dinge verwendet werden soll, dass sie vor allem dafuer die Rechner haben, und dass wir uns die Listen ansehen.
  • An jedem Rechner ist eine Liste von Internet-Adressen freigeschaltet. Das sind ein paar Online-Spiele-Adressen, aber auch die Kindersuchmaschine http://www.blinde-kuh.de/ und alles, auf was diese
    verweist und einige andere Seiten.
    Andere Internetseiten sind nicht zugreifbar. Die Kinder fragen uns, wenn Sie etwas weiteres freigeschaltet haben moechten.
    In naechster Zeit werden z.B. noch nicht dazu gehoeren: youtube, facebook, google.
  • X wird wohl bald seine Mail-Adresse frei benutzen duerfen. Es wird dann aber fuers erste jede eingehende und abgehende Mail in Kopie an seine Mutter gehen, und X wird das wissen.
  • lokale Dienste in unserer Familie (Multiplayer-Spiel, Drucker…) sind erreichbar.
  • Skype und andere Dienste „draussen“ werden wir beizeiten und nach und nach erst freischalten.

Fazit
Eine grosse Klage an unserem Elternstammtisch der 6. Klasse war: wenn alle Kinder ungefaehr dieselben Bedingungen beim Internetzugang haetten, dann waere es fuer die Eltern viel machbarer, auch selbst sinnvolle Standards durchzusetzen.

Mit oeffentlich bereitgestellten, dedizierten Betriebssystem- und
Applikations-Distributionen fuer Kindersmartphones und Kinderrechner waere so etwas moeglich. Der zentrale Punkt ist, dass ein solcher Schutz nur mit einer von Grund auf dafuer gedachten Betriebssystem- und Anwendungszusammenstellung machbar ist. Fast schmerzlich ist es, zu sehen, mit wie wenig Aufwand eine solche fuer Millionen Familien wichtige Sache realisierbar, verteilbar und pflegbar waere.

Die Betreiber und Hersteller mit finanziellen Interessen (World of Warcraft, Facebook, Google, Lock-Webseiten, auch Microsoft) oder auch kriminellen Interessen sind bestens organisiert, haben Expertise und Zeit.
Die Familien noch nicht.

Ich wuensche mir, dass das Zeitfenster, wo auf dem Schulhof die FSK total aufgehoben ist, bis in zehn Jahren endet. Das koennte man schon erreichen bis 2024.

(Diese Idee war in erster Version ein Vorschlag ans Kultusministerium BaWue)

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